Jagd und Corona Krise

Seit Freitag 0:00 Uhr gilt für Bayern eine Ausgangsbeschränkung. Dies hat der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Freitag Nachmittag in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Viele Jägerinnen und Jäger haben sich gefragt, was es für die Jagdausübung bedeutet.
Am Abend gab es dazu vom Staatsministerium ein Statement:
Die Jagdausübung bleibt weiterhin erlaubt.
Es versteht sich von selbst, dass sie auf die Einzeljagd beschränkt ist. Für mich eine nachvollziehbare Sache. Für viele Menschen hingegen nicht. Wie man gestern bereits in verschiedenen Online-Foren oder Facebook-Seiten lesen konnte, äußerten sich die Jagdgegner lautstark zu Wort.

„Warum soll ein Ausgangsverbot nicht auch für Jäger gelten? Glauben die etwa, sie sind Übermenschen?“
„Dann haben die Tiere endlich einmal Ruhe und Frieden im Wald.“
„Warum regen die Jäger sich eigentlich auf? Haben wohl Angst, dass wenn sie nicht mehr jagen gehen dürfen, man merkt, dass man sie überflüssig sind?“
„Oh bitte hebt die Sperre für diese Leute nicht auf, damit die Tiere endlich mal ihre Ruhe haben …“
„Jäger sind eh überflüssig!“
„Lasst sie eingesperrt, am besten für immer.“
„Jäger sind sowieso krank im Hirn – wie kann man nur Spaß am Töten haben?“
„Gut, dann gibt es keine Massaker mehr im Wald und die Tiere können aufatmen.“
„Jager sind eh das letzte Dreckspack!“

Meistens lese ich solche Kommentare und vergesse sie gleich wieder. Ich habe schon lange aufgegeben, mit Leuten zu diskutieren, die sich gegen jede sachliche Argumentation wehren. Dieses Mal habe ich mich hinreißen lassen und kommentiert. Die vielen lachenden Smilies zeigten mir allerdings, dass es sinnlos war. Was ist witzig daraun, wenn ich darauf hinweise, dass die ASP (afrikanische Schweinepest) zwar im Moment nicht Tagesgespräch ist, aber sich wegen der Coronakrise noch lange nicht erledigt hat?
Nach wie vor ist das Risiko, dass sie über die deutsche Grenze schwappt, sehr hoch. Die Frage ist nicht, ob die ASP kommt, sondern wann!
Würde die Bejagung auf Schwarzwilld gänzlich eingestellt werden, hätten wir ein zusätzliches großes Problem.
Werden verendete Wildschweine gefunden und positiv auf ASP getestet, müssen hunderte von Hausschweinen gekeult werden, wenn sie sich im Radius dieses Gebietes befinden. Die Existenz von Landwirten, die für unsere Fleischversorgung sorgen, wäre bedroht. Das wünscht sich wirklich niemand.

Die Landwirtschaft muss weiter gehen. Landwirte müssen ihre Felder bestellen, um unser aller Lebensmittelversorgung zu sichern. Würde die Jagd mehrere Wochen oder gar Monate ruhen, kämen Wildschäden auf uns zu, die in manchen Gebieten sogar ganze Ernteausfälle bedeuten könnten. Jäger sind verpflichtet dafür zu sorgen, dass Wildschäden in Wald und Flur verhindert werden. Jäger haben die Pflicht, bei der Eindämmung von Wildseuchen mitzuwirken.
Auch wenn es manch einer nicht lgauben mag, aber uns Jägern liegt das Wild und die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes am Herzen.
All jenen, die glauben, wenn die Jäger für immer wegesperrt würden, würde die Natur sich selbst regeln, möchte ich folgendes sagen:

Wir Menschen haben so einschneidend in die Natur eingegriffen, dass sie gar nicht imstande ist, sich selbst zu regeln. Wir Menschen haben uns so ausgebreitet, dass diese Natur, die sich selbst regelt kaum noch zu finden ist. Wir Menschen – und zwar alle, nehmen uns das Recht heraus, mit Motorcrossrädern, Mountainbikes, Nordic Walking Stöcken etc. zu jeder Tages- und Nachtzeit durch den Wald zu laufen. Die meisten machen sich nicht einmal ansatzweise Gedanken darüber, dass sie den Lebensraum unserer Wildtiere beunruhigen. Viele Hundebesitzer lassen ihre Lieblinge frei durch Wald, Feld und Wiese streuenen, denn: der tut nix, und jagen tut er auch nicht!
Leute wacht auf. Die Jagd ist notwendig und sie versorgt uns zusätzlich mit einem natürlichen, gesunden Lebensmittel, welches viel zu wenig geschätzt wird. Verzichtet lieber mal darauf, billiges Fleisch im Supermarkt zu kaufen und kauft beim örtlichen Jäger. Lasst euch von uns mal die Zusammenhänge der Natur erklären, verschließt euch nicht von vorneherein, sondern fragt ehrlich nach, wenn ihr etwas nicht versteht. Ich bin mir sicher, ihr werdet viele Antworten bekommen, die euch überraschen.
Ohne Frage darf man der Jagd kritisch gegenüberstehen und muss nicht alles gutheißen. Doch man sollte sich immer daran erinnern, dass die Jagd seit Urzeiten zum Menschsein gehört und sofern sie nach ethischen und waidmännischen Grundsätzen ausgeübt wird, nichts verwerfliches ist. Hasskommentare wie: „die scheiß Lodenträger sollen doch verrecken“ sind primitv und zeigen die Intolleranz sogenannter Gutmenschen. Ihnen wünsche ich, dass sie nie in die Situation kommen, einmal einen Jäger/eine Jägerin zu brauchen, z. B. nach einem Wildunfall, wenn ein Reh oder Wildschwein mit gebrochenem Rückgrat vor ihnen liegt und erlöst werden muss.

Passt auf euch auf und bleibt gesund!



Schätze aus der Natur – Badesalz selbst gemacht

Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne mal was Neues ausprobiere und gerade die Winterzeit eignet sich ideal dafür. Ich habe Badesalz selbst gemacht. Zwar gibt es unzählige Variationsmöglichkeiten, doch ich habe mich für das Naheliegende entschieden, das auch zur Jahreszeit passt. Nachdem ich viele Informationen über die Herstellung im Netz gesammelt habe, musste ich wieder mal feststellen, dass es DAS EINE REZEPT nicht gibt. Weil ich mich auch selten streng an`s Rezept halte, habe ich auch diesmal improvisiert und einfach all die Zutaten verwendet, von denen ich überzeugt war, dass sie gut zusammenpassen. Für die Zubereitung „meines Badesalzes“ benötigt man folgendes:


1,5 kg Grobes Salz (Himalayasalz und Totes Meersalz sind sehr gesund und eigenen sich am besten dafür)
Zwei Hände voll Douglasiennadeln (sie werden mit der Schere einfach abgeschnitten. Man kann aber genauso gut Fichtennadeln nehmen)
3 EL Milchpulver (Muss man nicht hinzugeben, aber Milchpulver, am besten Vollmilchpulver wirkt Rückfettend und ist gut für die Haut)
3 EL Mandelöl (rein biologisch), man kann auch Jojobaöl oder ein anderes hochwertiges Öl nehmen.
1-2 EL 100% ätherisches Orangenöl
Schale oder Abrieb von zwei Orangen (selbstredend, dass es unbehandelte Orangen sein sollten)

Die Herstellung ist wirklich keine Hexerei und denkbar einfach. Man schneidet also die Douglasiennadeln mit einer Schere ab und gibt sie in einen Mixer, um sie klein zu hacken. Ich habe eine Küchenmaschine, in die ich Salz, Orangenschalen und Nadeln gleichtzeitg reingegeben habe. Danach habe ich das Ganze in eine Schüssel und mit Mandelöl, ätherischem Öl und Milchpulver mit den Händen vermengt (bitte Einweghandschuh anziehen, der direkte Kontakt mit purem ätherische Öl kann die Haut reizen).

Und dann ist das Badesalz schon fertig. Abgefüllt in hübsche Gläser ist es ein tolles Mitbringsel für Freunde. Kleiner Tipp: Wer keine Badewanne hat, kann das Badesalz auch in einen Waschlappen füllen und sich damit unter der Dusche abreiben.

Ich werde im Sommer eine andere Variation mit getrockneten Lavendelblüten und Lavendelöl ausprobieren. Außerdem kann man eigentlich jedes ätherische Öl verwenden. Die Variante für Sportler z. B. wäre Zitronenöl, Rosmarinnadeln und 1-2 EL Bittersalz dazu (das entspannt die Muskulatur und hilft bei Muskelkater). Wenn es etwas weihnachtlicher sein soll, eignet sich Zimtöl oder Bergamotte. Getrocknete Rosenblätter und Rosenöl machen bestimmt auch was her. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, es entscheidet der persönliche Geschmack.

Ich bin mir sicher, dass ich noch einiges ausprobieren werde.
Zur Haltbarkeit kann ich nicht viel sagen, aber ich denke ein paar Monate hält es schon. Meine Mengenangaben lassen sich ja auch leicht abwandeln für den Fall, dass ihr es erst mal nur mit 500 g Salz versuchen wollt.

Alles für die Vögel – Vogelfutter DIY

Beizeiten im Herbt beginne ich mit der Fütterung der Vögel im Garten. Dieses Jahr hatten wir ein erlegtes Wildschwein, welches Dank mehrerer Biogasanlagen rund um unser Revier und dem damit verbundenen Maisanbau, richtig schön fett war. Mir kam die Idee, das Fett auszulassen und mit Sonnenblumenkernen, Haferflocken und Rosinen zu vermischen. Die Mischung wollte ich in einige alte Tassen füllen, und weil es so viel war, nahm ich auch noch ein paar ausgewaschene Katzenfutterdosen her. Es erinnerte mich ein wenig an meine „Aktion Dachsfett“, welche ich im Jahr zuvor veranstaltet hatte ;), als das Saufett in einem alten Topf auf dem Gaskocher langsam flüssig wurde.

Damit die Vögel gut an das Futter herankommen, schnitt ich ein paar Stäbchen vom Gartenbambus zurecht (Haselnuss oder andere Äste gehen natürlich genauso). Zuerst die Futtermischung in die Tassen und Dosen, Stab rein stecken und dann Fett randvoll aufgießen. Das alles ist ziemlich einfach und geht Ruck-Zuck.

©Jagdherzblut (Susanne Brom)


Nachdem das Fett wieder fest geworden ist, kann man die Tassen sofort an den Baum hängen. Bei den Dosen bracht man noch ein Loch, in welches man festen Draht oder eine dicke Schnur fädeln kann, um sie aufzuhängen. Fertig ist das DIY Vogelfutter und das Wildschweinfett hat eine super Verwendung gefunden.

©Jagdherzblut (Susanne Brom)

Heute gelang es mir ein paar Bilder zu machen – als Beweis, dass die Meisen in meinem Garten das angebotete Futter gerne annehmen.

Holunder – Gesundes aus dem Wald in die Küche

Ich liebe Holunder. Er ist nicht nur schön anzusehen, sondern man kann ihn auch vielfältig verwenden. Im Frühjahr, wenn die weißen Dolden mit hunderten von kleinen Blüten im Revier zu finden sind, mache ich daraus Holunderblüten-Sirup. Gekühlt kann man ihn super mit Mineralwasser aufgießen und hat ein erfrischendes Sommergetränk. Sekt geht genauso gut 😉 Wer Hugo mag, weiß, was ich meine …

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Natürlich kann man die Blütendolden auch in Bierteig ausbacken und hat so schmackhafte Hollerküchle.

Jetzt, wo sich der Herbst schon erahnen lässt, reifen die Beeren und die Zeit des Holunderbeerensaftes ist gekommen. Er enthält viel Vitamin C und schmeckt ebenfalls gut mit Mineralwasser oder im Tee. Außerdem ist er ein hervorragendes Mittel gegen Erkältung und soll auch gegen Einschlafschwierigkeiten helfen. In unserem Revier kenne ich jeden Baum und jeden Strauch, folglich weiß ich sofort, wo die Beeren reif, sprich schwarz sind. Voller Tatendrang mache ich mich ans Sammeln. Nur die ganz reifen Beeren sollten geerntet werden, sonst ist das Aussortieren der noch unreifen Beeren recht mühsam. Zu Hause werden sie gewaschen und so gut es geht von den Stielen befreit. Das geht am besten mit einer Gabel – die reifen Beeren lassen sich gut abstreifen damit. Dann kommen sie ab in einen großen Topf. Ich hatte knapp drei Kilo und goss sie mit Wasser auf, bis sie bedeckt waren. Jetzt heißt es ca. 15 – 20 Minuten kochen lassen, bis die Beeren aufplatzen.

Dann wird alles durch ein Sieb gegossen (ich habe ein sauberes Geschirrtuch hineingelegt, welches ich danach gut ausdrücke und so den letzten Rest Saft aus den Beeren quetschen kann). Der reine Saft, den ich nun gewonnen habe, wird mit Zucker (je nach Geschmack), ich habe pro kg Beeren 200 g Zucker genommen, erneut aufgekocht. Zur besseren Haltbarkeit und wegen des Geschmackes gebe ich noch etwas Zitronensäure hinzu. Drei Minuten genügen. Anschließend fülle ich den heißen Saft in gut gespülte Gläser. Kleiner Tipp: ich stelle die Gläser für ca. 10 Minuten in den Ofen, den ich auf 100 Grad einstelle. So werden sie sterilisiert und springen auch nicht, wenn der heiße Saft hinein gefüllt wird.

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Sehnsuchtsbock und Weizensau

Sehnsuchtsbock

Ich bin jetzt nicht wirklich eine Trophäenjägerin, sondern freue mich über jedes Stück, welches ich waidgerecht erlegen kann. Wenn ich ein krankes Stück zur Strecke bringe freue ich mich darüber, ein Tier von seinen Leiden erlöst zu haben. Denn ich sehe mich in erster Linie als Hegerin und Schützerin unseres Wildes. Aber von dem Moment an, als ich diesen Bock zum ersten Mal auf der Wildkamera hatte, wollte ich ihn haben.

Mein Mann, gab ihn mir frei. Ein alter Bock. Einer, der sich schon ein paar Jahre vererbt hat. Einer von der Sorte, die man selten zu Gesicht bekommt. Noch dazu einer mit einem imposanten Gehörn. Ich kann euch sagen, das war ein ganz heimlicher Bock. Wir hatten ihn noch nie „live“ gesehen, und er ging nur ca. alle 10 Tage mal an der Kamera vorbei. Die vielen Plätz- und Fegestellen allerdings verrieten seinen Einstand. Ich hatte „Blut geleckt“ und setzte mich mehrmals an. Dank des Pirschweges, den ich im Frühjahr schon angelegt hatte, ließ sich die kleine Freifläche mitten im Hochwald relativ störungsarm betreten. Ich saß … und saß … und saß …
Viele Ansitze, wobei ich zwischendrin auch immer mal wieder ein paar Tage Ruhe einkehren ließ. Jeder Ansitz mind. 3,5 Stunden, einmal am Sonntag Nachmittag sogar 5 Stunden. Kein Bock zu sehen. Nichts. Nada. Niente.
Doch ich gab nicht auf. Aufgeben ist nicht mein Ding. Wenn ich etwas haben will, dann bin ich hartnäckig. Jagd ist nichts für Pessimisten. Man sitzt viele Stunden und sieht nichts, aber man sitzt niemals umsonst. Nirgendwo auf der Welt kann man besser abschalten als im Revier. Nirgends sonst fühle ich mich freier und glücklicher, als draußen in der Natur. Ich konnte zwei Geißen mit ihren Kitzen beobachten, sobald es dämmerte kam regelmäßig eine Eule angeflogen um auf nächtliche Jagd zu gehen, und Meister Lampe hoppelte regelmäßig den Weg entlang. Alles, nur kein Bock.

Am Samstag den 20. Juli kam er mir im aller-allerletzten Büchsenlicht für genau 10 Sekunden in Anblick. Dann war es dunkel und mein Sehnsuchtsbock wieder hinter den großen Fichten verschwunden.
Am 21. Juli der 12. Ansitz. Ich war schon sehr früh am Abend aufgebaumt. Wie immer extrem leise und vorsichtig. Ich lud meine Sauer Artemis noch bei geschlossenen Fenstern, um jedes Geräusch zu vermeiden. Dann saß ich still und hoffte.

Gegen 21 Uhr ahmte ich mit dem Buttolo den Kitzfiep nach. Ich bin nicht so der Experte im blatten und habe oft das Gefühl, ich vergräme eher die Böcke, als dass ich sie anlocke …
Es tat sich lange nichts. Irgendwann kamen zwei Jungfüchse, die ich schonte, weil ich die Hoffnung auf meinen Bock nicht aufgeben wollte. Um 21:20 Uhr – die Jungfüchse waren wieder verschwunden, hörte ich ein Rascheln rechts von mir. Gebannt starrte ich aus dem Kanzelfenster. Ach, nur die Geiß …

Wenige Sekunden folgte später folgte er. Da stand er, mein Sehnsuchtsbock! Zum Greifen nahe. Puls und Herzschlag galoppierten als ich anlegte. Er stand nicht breit, eine junge Fichte verdeckte ihn teilweise. Dann endlich zog er einen Meter weiter. Ich hatte den Finger im Abzugsbügel und atmete tief ein. Beim Ausatmen zog ich den Abzug und es tat sich … Nichts! Entsetzt stellte ich fest, dass ich vor lauter Bemühungen, keinen Lärm zu machen, vergessen hatte, eine Patrone ins Patronenlager zu repetieren. Das durfte doch nicht wahr sein. Wie kann man nur so blöd sein? Endlich stand er vor mir, und ich hatte mir die Chance vertan …
Mit angehaltenem Atmen versuchte ich leise zu repetieren. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Das metallische Geräusch des Kammerstengels musste er hören – er stand viel zu nah. Aber er hörte mich nicht. Er war so auf die Geiß fixiert, dass es mir tatsächlich gelang. Ein zweites Mal legte ich an. Der Bock machte zwei weitere Schritte und verharrte. Ich ließ fliegen. Der laute Knall zerriss die Stille. Mein Bock zeichnete und flüchtete wie der Teufel in den Hochwald. Äste krachten, dann war Stille. Ich wusste, ich war gut abgekommen und es konnte sich nur um eine Todflucht handeln. Trotzdem schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel, eine Bitte, dass der
wundervolle Bock nicht leiden muss und wir ihn finden.

Dann saß ich da, rauchte mit zittrigen Händen eine Zigarette und wartete. Und das war es jetzt? So schnell war es vorbei? So viele Stunden hatte ich auf diesen Moment gewartete und war die Jagd auf den Bock zu Ende? Ein seltsames Gefühl der Leere überkam mich. Alles schien mir so unwirklich.

Mein Mann kam nach ca. zwanzig Minuten mit Nala am Schweißriemen und wir suchten den Anschuss. Viel Schweiß, zum Glück. Nala fand meinen Bock dann auch recht schnell. Als ich dann so vor ihm stand, war mir ganz komisch zumute. So lange hatte ich ihm nachgestellt, so lange auf ihn gewartet und jetzt lag er vor mir. Alles Leben war aus ihm gewichen, durch meine Hand. Der stolze Bock, der Platzbock in seinem Revier. Ich freute mich und war gleichzeitig traurig. Die Jagd war vorbei, mein Wunsch erfüllt und trotzdem … ich strich ihm übers Haupt und flüsterte ein leises „Danke“.

Immer wenn ich jetzt an dieses Waldstück komme, muss ich daran denken, dass hier nun durch meine Hand ein Lücke entstanden ist. Platz für einen neuen Bock, welcher diesen Einstand nun wohl bald übernehmen wird.
Doch für mich war mein Sehnsuchtsbock etwas ganz besonderes und wird es wohl immer bleiben.

Weizensau

Bereits das Frühjahr versprach „Sauen satt“ für dieses Jagdjahr. Noch nie hatten wir so viele Sauen so beständig an den Kirrungen wie dieses Jahr. Dank unserer Wildkameras konnten wir im Mai bei bestem Licht unsere 11 Frischlinge heranwachsen sehen. Zwei Bachen führten ihre gestreiften Frösche täglich an den Futterplatz. Es war jeden Tag ein Fest, wenn wir die Speicherkarten auswerteten und der Rasselbande dabei zusahen, wie sie jedes noch so kleine Körnchen Weizen aufklaubten. Zuerst kamen sie meist so gegen 21 Uhr, dann auch schon oft am späten Nachmittag und manchmal am frühen Morgen. Froh darüber, dass sie im Wald blieben während der Mais draußen auf den Feldern langsam zu keimen begann, fütterten wir sie täglich. Trotz drohender ASP (Afrikanischen Schweinepest) sehen wir uns nicht als Schädlingsbekämpfer und und weigern uns, kleine, gestreifte Frischlinge zu erlegen, nur damit eine Sau weniger herumläuft. Dass wir keine Bache schießen, und damit die Kleinen zum Tode verurteilen würden, versteht sich von selbst, dann das die übrig gebliebene Bache elf Frischinge führen und ernähren kann, ist beinahe ausgeschlossen. Die Kleinen würden kümmern und einige von ihnen sicher eingehen. Abgesehen davon, dass es verboten ist, führende Eltern Tiere zu erlegen, verbietet es die Waidmannsehre und das Herz sowieso.

Der Mais ging auf und wuchs, die Sauen kamen immer seltener und blieben schließlich ganz aus. Draußen steht nun genügend Deckung zur Verfügung und wie jedes Jahr ziehen die Schwarzkittel ins Feld. Große Rapsschläge werden mit Vorliebe als Tageseinstände angenommen, während man in der Nacht durchs Revier streift und sich die Bäuche mit milchreifem Weizen vollschlägt.

Eines dieser Rapsfelder grenzt praktischerweise direkt an ein Feld mit goldgelbem Weizen. Als wir bei unserer täglichen Revierrunde eine Lücke im Getreide entdeckten und diese kontrollierten, war klar: hier muss eine Rotte ihr Unwesen treiben. Sofort wurden die Kitzretter aktiviert. Der Name ist in diesem Zusammenhang irreführend, denn die Licht- und Tonsignale aussendenden Dinger kann man sowohl für Kitzrettung bei der Wiesenmahd, als auch zur Sauenvergämung verwenden. Wir steckten also die Stäbe an den Rapsrand, dort, wo der Schaden war, klemmten die Batterien an und hofften auf gute Wirkung. Zuerst sah es ganz so aus, als würden sie ihren Zweck erfüllen, doch dann, genau am Vollmondabend stellten wir fest, dass der Schaden größer wurde. Ich hatte mir eigentlich einen anderen Platz für den Ansitz gewählt, disponierte aber sofort um und bezog die fahrbare Kanzel, die wir vorsorglich dort aufgestellt hatten. Zwar konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Sauen tatsächlich in den Weizen zogen, sobald das Piepsen und Blinken bei Einbruch der Dämmerung losging, aber das Schadensbild sagte etwas anderes. Pünktlich um 21:55 Uhr blinkte zuerst das eine Licht, wenig später das andere. Die hohen Piepstöne, die unterschiedlich in der Tonfolge waren, nervten mich sehr bald und ich bekam Kopfschmerzen. Selbst die Pausen dazwischen waren nicht angenehmer, denn das Pfeifen hallte in meinen Ohren nach, obwohl die Dinger gerade mal stumm waren. Dann hörte ich ein Schmatzen. Verwirrt blickte ich auf das helle Getreide, welches vom aufgehenden Vollmond beschienen war und konnte die Quelle des Geräusches nicht ausmachen. Meine Gedanken überschlugen sich: vielleicht ein Dachs, den ich wegen seiner geringen Körperhöhe nicht sehen kann? Oder am Ende Frischlinge, die von ihren Müttern zum fressen in den Weizen geschickt wurden, während die Großen im schützenden Raps in Deckung blieben? Ich glaste wie verrückt das ganze Feld ab und glaubte schon, mir das Geschmatze nur eingebildet zu haben, da gingen die Licht- und Tonsignale wieder los. Ich musste mich geirrt haben! Keine Sau würde das aushalten.
Ich hatte mich nicht geirrt!
Als die Dinger wieder Ruhe gaben, hörte ich das Schmatzen erneut und endlich entdeckte ich auch die Quelle. Ein dunkler Rüssel schob sich in einer Lücke hervor. Ich konnte Haupt und Teller sehen. Da ich mir zu 100 % sicher sein musste, dass ich keine führende Bache vorhabe, beobachtete ich die Sau ganze 45 Minuten lang. Sie war definitiv allein. Sie war auch nicht besonders groß und man hörte kein anderes Stück. Immer nur ihr Schmatzen. Sie zog von mir weg und stand am anderen Ende des Feldes. Was ich mit dem Glas gerade noch so sehen konnte, war mir für eine sichere Schussabgabe zu weit. Die Zeit dehnte sich wie Kaugummi, doch dann, gerade als ich den Plan gefasst hatte, beim nächsten Piep-Intervall leise die Kanzel zu verlassen und sie in der Fahrgasse anzupirschen, zog sie wieder in meine Richtung. Sie stand in guter Schussentfernung in einer Lücke und ich ließ die .308 fliegen. Statt eines satten Kugelschlages war eher ein dumpfes Geräusch zu hören, doch ich wusste, ich hatte mein Ziel nicht verfehlt. Leider ging sie nicht wie geplant sofort zu Boden, sondern drehte ab und flüchtete … in den Raps. Raps bedeutet Dschungel. Raps ist gar nicht gut. Verdammt. Auch wenn ich mir wirklich sicher war, sie perfekt getroffen zu haben, ein Rest Zweifel blieb. Jeder Jäger weiß, dass verwundetes Schwarzwild brandgefährlich sein kann, weshalb man es Nachts tunlichst vermeiden sollte nachzusuchen. Die Sinne des Menschen sind nun mal verkümmert und ein bisschen Taschenlampenlicht hilft nicht viel.

Ich blickte zum Himmel und sah im gleichen Moment eine Sternschnuppe verglühen. Ich wünsche mir immer etwas, wenn ich Sternschnuppen sehe … Mein Wunsch dieses Mal: einen tödlichen Schuss abgegeben zu haben, dass die Sau nicht unnötig leiden muss und dass wir sie finden. Okay, das sind drei Wünsche auf einmal, aber genau das war es, was ich mir wirklich in diesem Augenblick wünschte, und was mir auf der Seele lastete.

Ich informierte meinen Mann kurz per SMS „Einzelne Sau beschossen, müssen morgen früh nachsuchen.“ Er wusste sofort Bescheid und antwortete mit einem für Männer typischen, kurzen: Okay.

Eine Stunde später baumten wir ab und fuhren nach Hause. Die Nacht war kurz, denn wir wollten sehr früh los, um die Sau zu suchen. Voller Anspannung ging ich ein Stück in das Weizenfeld hinein und suchte den Anschuss. Erleichtert bemerkte ich viel Schweiß, bedeutete es doch, dass ich tatsächlich gut abgekommen war. Natürlich führte die Spur in den Raps, an den Stängeln weiterer Schweiß.

Lass mich rein“, forderte ich und sah mich im Geiste schon auf allen Vieren durch den Raps kriechen.
Nein, ich mach das schon“, bekam ich zur Antwort, in einem Ton, der keine Widerrede zuließ. Mein Mann begab sich auf die Knie und verschwand im Rapsdschungel. Bange Minuten des Wartens folgten. Millionen Gedanken, einer schrecklicher als der andere schwirrten durch meinen Kopf. Dann endlich sein Rufen. „Hier liegt sie. Ich hebe mal die Hand, wenn du mich siehst, komm zu mir und hilf mir, die Sau herauszuziehen.“

Endlich durfte ich etwas tun und kämpfte mich durch die langen Rapsstängel mit den verzweigten Schoten, was sehr mühsam war. Erleichtert sah ich auf das erlegte Stück. Sie hatte einen sauberen Schuss und definitiv nicht gelitten. Es war tatsächlich lediglich eine Todflucht, wie sie gar nicht so unüblich ist. Gemeinsam kämpften wir uns zurück und legten die Sau anschließend atemlos am Feldrand ab. Vor mir lag eine Überläuferbache, die allerdings keine Frischlinge geführt hatte. Alles richtig gemacht.

Jetzt ist vielleicht Ruhe im Weizen, bis endlich der Mähdrescher anrückt“, sagte mein Mann. Und er sollte Recht behalten …

Adrenalinkick und Herzklopfen inklusive …

Mein Ansitz am Vatertag wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Nicht etwa weil ich einen besonders starken Bock geschossen hätte, oder eine Sau gestreckt … ganz im Gegenteil. Weil ich nicht geschossen habe.
Ich bin bekannt dafür, dass ich am liebsten immer alles mitschleppe ins Revier, wenn es heißt anzusitzen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Gehe ich nur mit meiner Sauer Artemis bewaffnet, habe ich immer das Gefühl, das Foto meines Lebens verpassen zu können. Also packe ich zu fast 99 % meine Kamera, samt Teleobjektiv und Stativ mit ein. Mein Göttergatte schüttelt oft den Kopf und meint: „Mir wäre das zu viel zum Schleppen.“
Mir nicht! Aus oben genanntem Grund.
Zurück zum Vatertag. Ich beschloss die fahrbare Kanzel zu beziehen, welche lediglich den Blick auf einen grasbewachsenen Weg freigibt, der ein riesiges Rapsfeld vom Wald trennt. Dort angekommen beschloss ich spontan, meine Waffe in der Kanzel abzustellen (die abschließbar udn außerdem in Sichtweite ist) und mich ein Stückchen weiter auf den Weg zu setzen. In dem Wäldchen ist mein Lieblingsdachsbau und ich weiß, dass Familie Grimbart von dort gerne in den Raps wechselt. Der besseren Perspektive wegen, ließ ich mich auf dem Boden nieder und montierte meine Kamera auf das Stativ. Mit Tarnumhang sollten mich die Dachse nicht sofort als Mensch erkennen, sie sehen ja sowieso nicht besonders gut. Ein paar Meter von ihrem Wechsel machte ich es mir gemütlich und hoffte auf Erfolg bei gutem Licht.
Dann wartete ich.
Einmal ganz kurz dachte ich, ich hätte den Geruch von Maggi in die Nase bekommen. Sauen? Nein, Quatsch, da habe ich mich getäuscht.
Also wartete ich weiter. Ein ungeduldiger Blick auf die Uhr zeigte 20:35. Jetzt könnten sie aber langsam kommen, sonst klappt das mit dem Licht nicht mehr so gut.

Plötzlich ein Rauschen vor mir im Raps. Die Stängel wackelten wie verrückt. Es quiekte etwas.
DAS SIND DOCH SAUEN. DEFINITIV!!!
Ganz kurz setzte mein Herzschlag aus, um wenige Sekunden später wie ein wild gewordenes Rennpferd zu galoppieren. Tausend Dinge schossen mir durch den Kopf.
Was, wenn sie mich umrennen? Was, wenn da eine auf Krawall gebürstete Bache mit Frischlingen auf mich trifft? Warum habe ich meine Waffe zwanzig Meter weiter in der Kanzel zurückgelassen?

Hilft alles nix. Ist ja nun mal so, wie es ist, also warum nicht das Beste daraus machen? Das Rauschen ist direkt neben mir. Ich drehte mich samt Stativ und Kamera um und da kommt der erste Schwarzkittel über den Weg gesprungen. Klick, klick, ich habe sein Hinterteil gerade noch so erwischt. SB5_6513

Mit angehaltenem Atem wartete ich. Es ist ruhig. Ich beschloss, doch lieber in die Kanzel zu gehen und stand auf. Da huscht eine zweite Sau, eine dritte, vierte, fünfte und sechste über den Weg. Ich hielt mit der Kamera drauf und dabei gelangen mir noch weitere Bilder. Die Überläufer waren schnell und verschwanden im Wald. Vermutliche eine Bande von Jugendlichen, welche die Bache abgestoßen hat, um ihre neuen Frischlinge versorgen zu können. Der Spuck war vorbei und ich konnte immer noch gar nicht fassen, was da eben passiert war. Leider sind die Bilder nicht scharf, es ging ja alles rasend schnell. Ich war total geflasht von diesem Erlebnis und bin gar nicht traurig, dass ich keinen der Schwarzkittel erlegen konnte. Solche Dinge passieren halt nur, wenn man draußen ist … ich liebe es ❤ und bewahre solche Momente in meinem Jägerherzen auf.

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Dachsbau, Hügelgräber … und ich bin sauer!

Was hat ein Dachsbau mit einem Hügelgrab zu tun, und warum bin ich sauer, werdet ihr euch fragen. Ich kann es euch verraten. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass ich mein Herz an Grimbart verloren habe. Die nachtaktiven großen Marder (lat. Meles Meles), sind in meinen Augen wunderschön und äußerst faszinierend. Im letzten Jahr habe ich mich eingehend mit den Dachsen beschäftigt und sie sogar das ein oder andere Mal vor die Linse bekommen. Ich empfinde es als großes Glück, gleich drei sehr große Dachsbaue im Revier zu haben.
Das erklärt noch immer nicht, warum ich sauer bin …

Nun denn: seit Mitte April beobachte ich mittels Wildkamera die Baue, um zu erfahren, wann die schönen Dachse mit den schwarz-weißen Masken ihr Heim verlassen, um auf Futtersuche zu gehen. Natürlich hoffe ich auch auf Nachwuchs und aus diesem Grund kontrolliere ich regelmäßig die Videos, die mein kleiner Spion für mich aufnimmt. Heute bekam ich zuerst Schnappatmung, dann drang ein Grollen aus meiner Kehle. Latscht da nicht tatsächlich eine Frau direkt über den Dachsbau. Eine ganze Stunde lang! Mit einem Ast stochert sie in jeder Röhre herum und hin und wieder hebt sie etwas auf, um es in ihre mitgebrachte Plastiktüte zu stecken. Ich habe keine Ahnung, was sie da gefunden hat. Der Dachsbau besteht schon seit Jahrzehnten und liegt direkt in einem prähistorischen Hügelgrab, von denen es ganze 43 in diesem zum Revier gehörenden Waldstück gibt. Die Gräber wurden schon lange geplündert und ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch irgendetwas zu finden ist. Stocksauer beobachte ich also, wie die Fremde buddelt, stochert und sammelt. Sie hat die Kamera nicht entdeckt, dafür habe ich viele Videos von ihrer Aktion. Ich weiß, es ist böse, aber im Stillen wünschte ich mir, dass sie ausrutscht, in ein Loch tritt und sich beide Beine bricht.
Ich hasse es, wenn Menschen ohne nachzudenken und nur dem eigenen Interesse wegen überall durch die Natur latschen, sei es eine Dickung, ein Feld oder eben der Dachsbau. Ihr würde es sicher nicht gefallen, wenn jemand vor ihrer Haustür mit einem Stock herumstochert und in jedes ihrer Fenster glotzt …

(Um die Persönlichkeitsrechte zu wahren, habe ich das Gesicht der Dame unkenntlich gemacht)

 
Okay, vielleicht übertreibe ich es ein bisschen. Trotzdem: ich bin sauer! Dachse hatte ich nach dieser Aktion natürlich nicht auf der Kamera. Kein Wunder. Es stinkt überall nach Mensch, und ihr Getrampel war sicher nicht unbemerkt geblieben.
Es ärgert mich deshalb so sehr, weil ich den Lebensraum unserer Wildtiere respektiere und versuche jede Störung zu vermeiden. Ich bewege mich äußerst vorsichtig, wenn ich meine Kameras anbringe und würde im Traum nicht daran denken, in einer befahrenen Röhre herumzustochern, im Gegenteil, ich mache einen großen Bogen drum. Ich würde niemals mit dem Fahrrad quer durch die hohe Wiese fahren, geschweige denn im Wald durchs Dickicht. Verlange ich zu viel? Bin ich unfair? Keine Ahnung. Ich weiß nur eins. Würde jeder Mensch ein klitzekleines Bisschen mehr Rücksicht auf die Natur nehmen, wäre das einfach wunderbar. Wunschdenken, ich weiß. Jeder nimmt sich, was er will, ohne nachzudenken.

Aus dem Wald in die Küche

Ich liebe es, wenn die Natur den Tisch reich deckt. Auch wenn ich als Jägerin ein gutes Stück Fleisch von selbst erlegtem Wild sehr schätze, es gibt noch mehr draußen zu entdecken und genießen. Es ist gerade Bärlauchzeit!
Schon seit einigen Tagen hatte ich vor, endlich den Platz aufzusuchen, wo der fein nach Knoblauch duftende Bärlauch wächst. Es wird ja immer gewarnt, dass man Bärlauch nicht mit Maiglöckchen verwechseln soll, aber ich kenne mich da wirklich aus und habe keine Angst davor.
Am Freitag konnte ich mein Vorhaben endlich in die Tat umsetzen und ging los. Die Luft war wirklich gefüllt von feinem würzigen Duft und so sammelte ich munter drauf los. Nur die schönsten Blätter kamen in mein Kistchen 😉

 

Zurück zu Hause wurden die Blätter gewaschen und die langen Stiele entfernt. DSC_9229

Für die Zubereitung von Bärlauchsalz hatte ich mich im WWW ein bisschen schlau gemacht und beschlossen, meine Küchenmaschine einzusetzen. Und siehe da, es war wirklich, wirklich so einfach und ging ratz fatz, dass ich es kaum glauben konnte.
Eine Handvoll Bärlauchblätter, 500 g grobes Meersalz dazu, die Küchenmaschine wenige Sekunden auf Stufe 7 einschalten und fertig ist das grüne Salz 🙂
Da es natürlich feucht ist, muss man es nur auf einem Backblech ausbreiten und trocknen lassen. Man kann es für acht Stunden in die Sonne stellen, oder bei ganz geringer Hitze im Ofen trocknen. Ich entschied mich für den Ofen ( 50 Grad, ca. 2 Stunden). Dabei sollte man es mehrmals wenden, damit es nicht verklumpt.
Abgefüllt in hübsche Gläschen eignet sich das Bärlauchsalz als kleines Mitbringsel für Freunde.

 

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Bärlauchbutter zu machen ist ebenfalls keine Hexerei und geht fast genau so schnell. Mit frischem Brot schmeckt es einfach mega lecker und das Beste dran ist, dass man danach nicht nach Knoblauch riecht 😉

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Übrigens: Ich mache auch öfter mehrere Protionen Kräuterbutter auf Vorrat. Dafür plündere ich all die Kräuter und Unkräuter in meinem Garten. Der Vorteil ist, ich weiß ganz genau, dass da nix gespritzt ist und kein Gift dran kommt.Meine Lieblings (Un)Kräuter sind: junge Brennesseltriebe, Vogelmiere, Schafgarbe und Gundermann. Dazu Petersilie, Schnittlauch, Knoblauch, Zitronenmelisse, Rosmarin, Dill, Thymian und als kleine Farbtupfer Ringelblumenblüten. Die Blüten von Schnittlauch sehen auch nicht nur super schön dazu aus, sondern schmecken auch wunderbar.

Meine Familie liebt meine selbst gemachte Kräuterbutter und ich würde nie mehr welche kaufen.

 

Frühlingsboten

Hach, als naturverbundener Mensch tigere ich an Schmuddeltagen immer ganz nervös zu Hause herum und wünsche mir rasch die Sonne herbei. Jagdlich gesehen ist es im Moment etwas ruhiger bei uns im Revier. Damit meine ich nicht, dass wir nicht trotzdem täglich unsere Runde drehen – das ist ein absolutes MUSS für uns. Unser Ritual sozusagen. Gleich nach dem Frühstück geht es los, Kirrungen werden bestückt, die Speicherkarten in den Wildkameras gewechselt, nach Sauschäden wird Ausschau gehalten. Der ein oder andere Plausch mit Jagdgenossen gehört natürlich auch dazu. Rehwild ist noch geschont, aber wer aufmerksam ist, kann schon mal eine Plätz- oder Fegestelle entdecken, denn die älteren Böcke wollen ihren Bast loswerden. Feldhasen haben schon Nachwuchs und auch die Vögel sind jetzt paarweise unterwegs. Elstern und Krähen bauen eifrig an ihren Nestern und Bachen bereiten sich auf ihren Nachwuchs vor, oder haben bereits gefrischt und kümmern sich liebevoll um die kleinen Gestreiften. Die Wildkameras zeigen, wie der Bauchumfang der Ricken stetig wächst und ich kann es kaum erwarten, im Mai die ersten Kitze zu sehen und hoffentlich zu fotografieren …

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich von alternativen Fotomotiven berichten. Sträucher zeigen bereits Knospen und die ersten Frühblüher trotzen sogar den noch kalten Nächten.
Wenn der Laubwald noch viel Licht auf den Boden wirft, weil das Blätterkleid der Buchen noch auf sich warten lässt, kann man sie schon entdecken. Die lieblichen Leberblümchen, die wie blaue Farbkleckse leuchten und Veilchen verströmen ihren Duft.

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©Susanne Brom (Jagdherzblut)

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©Susanne Brom (Jagdherzblut)

Die Veilchen wachsen gleich gegenüber unseres Hauses unter einer riesigen Trauerweide. Als die Sonne am späten Nachmittag die hübschen blauen Frühblüher anstrahlte, zog ich los um sie im Gegenlicht zu fotografieren. Dazu legte ich mich auf den Bauch und konnte gleich mein neues Stativ testen. Die vorbeifahrenden Autos ignorierte ich, als allerdings mein Nachbar ankam und mich aufgeregt fragte, ob mit mir alles in Ordnung sein, musste ich schmunzeln. Ich konnte ihn beruhigen, denn er dachte, ich läge ohnmächtig am Boden und bräuchte Hilfe. Schön, zu wissen, dass es im Falle eines Falles jemanden interessiert, ob es mir gut geht, oder nicht 😉

Die lieblichen Schneeglöckchen fand ich im Revier. Hier bodennah zu fotografieren ist weniger auffällig. Niemand kam vorbei und niemand wunderte sich über die grün gekleidete Jägerin, die immer wieder aufsprang und einen störenden Grashalm zur Seite schob.

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Eine besondere Herausforderung für mich waren allerdings die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris). Sie sind streng geschützt und ich kann nicht behaupten, dass ich viele Standorte kenne, an denen sie wächst. Einer allerdings ist mir gut bekannt. Jedes Jahr um diese Jahreszeit bewundere ich sie im Vorbeifahren. Sie wachsen ebenfalls bei uns im Revier. Leider haben sie sich genau dort angesiedelt (oder vielleicht sollte ich sagen: zum Glück, weil sie sonst vielleicht schon von irgendwelchen Pseudo-Naturliebhabern ausgegraben worden wären), wo man wirklich schlecht an sie herankommt. Und wenn ich sage „wirklich schlecht“, dann meine ich wirklich, wirklich verdammt schlecht. An einen steilen Hang, der sich beim besten Willen nicht mal eben so erklimmen lässt. Egal! Ich sah es als Herausforderung und versuchte mein Glück von der Straße aus. Das Stativ in dieser Schräglage einigermaßen sicher aufzubauen war beinahe unmöglich. Mein Blick schweifte nach oben und ich beschloss, dass es besser wäre, von oben an die Küchenschelle heranzukommen. Gedacht. Getan.
Rein ins Auto und den Querweg dreißig Meter weiter oben anfahren.
Tja, von oben nach unten geht meistens schneller 😉 und so suchte ich krampfhaft Halt an Bäumen und Büschen. Mit Kamera und Stativ war es dann doch eine heikle Angelegenheit, überhaupt in die Nähe zu kommen. Ein winziges Fleckchen blieb mir, um die Kamera aufzubauen – ganz knapp am Abhang. Ich habe sprichwörtlich Kopf und Kragen riskiert für die Bilder. Die Sonne stand gut, auf den frischen Wind hätte ich allerdings gerne verzichtet. Die Blüten und Blätter bewegen sich ständig … bedeutet, die Schärfe ist nicht optimal und ich hätte gerne ein bisschen experimentiert mit der Entfernung und so. Leider war das unmöglich. Kein Platz, um irgendwie auszuweichen, ohne in Gefahr zu laufen, kopfüber aus fünf Metern Höhe auf die Straße zu purzeln. Ich habe das Beste draus gemacht. Herausgekommen ist das:

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Ich hoffe, euch gefallen meine Bilder trotzdem. Auch wenn sie alle noch verbesserungsbedürftig sind. Ich bin ständig am Üben und lernen. Auf jeden Fall freue ich mich, dass ihr bei mir vorbeigeschaut habt und wünsche euch einen wunderschönen Frühling ❤
Kleiner Tipp: immer mit offenen Augen durch die Natur gehen, das wirklich wunderbare sieht man oft erst, wenn man genauer hinsieht.

Fotopirsch im Februar

Ein Hauch von Frühling lag in der Luft und die sonnigen Februartage MUSSTE ich einfach draußen verbringen. Die Wettervorhersage versprach drei weitere frühlingshafte Tage und so sprang ich voll motiviert um fünf Uhr Morgens aus dem Bett. Das Fotoequipment sowie die Tarnkleidung waren am Abend zuvor bereits zurechtgelegt worden und ich ließ meinen schlafenden Mann samt Hund im kuscheligen Bettchen zurück und machte mich auf ins Revier. Die Nächte waren noch frostig und demzufolge war es äußerst schwierig sich leise fortzubewegen. Die gefrorenen Grashalme knirschten bei jedem Schritt und ich wünschte mir Flügel, um lautlos zu dem von mir auserwählten Platz zu kommen. Nicht nur der Frost, auch die neue Schicht Schotter, mit der die Jagdgenossenschaft kürzlich die Wege repariert hatten, stellte mich vor eine Herausforderung. Ich schlug mich also durch die Büsche, meine Kamera samt Stativ geschultert und zuckte bei jedem knackenden Ästchen zusammen. Blieb stehen und lauschte, hörte mein heftig klopfendes Herz und wagte kaum zu atmen. Aus einiger Entfernung sah ich den ersehnten Bock mit zwei weiblichen Rehen stehen. Fotos eines Bockes im Bastgehörn war mein eigentliches Ziel an diesem Morgen. Leider stand der Wind schlecht und selbst wenn ich einen großen Umweg gemacht hätte, wäre an ihn kein Herankommen gewesen. Für ein gutes Foto stand er zu weit. Wie zur Bestätigung hob er das Haupt und war kurz darauf auch schon abgesprungen. Mist!

Was jetzt?
Ich entschied mich über das Feld zu laufen und einen großen Bogen um die Stelle zu machen, an der der Bock verschwunden war. Die Sonne kam hinter dem Horizont hervor und tauchte die Umgebung in orangegoldenes Licht. Wäre ich doch früher los …
Nach einer gefühlten Ewigkeit gelangte ich an unseren Wildacker, auf welchem wir im letzten Jahr Mais angebaut hatten und der vor dem Winter gemulcht worden war. Die Stelle, an der ich mich positionieren wollte, schied aus, alles Wild hätte mich sofort gewittert und wäre wahrscheinlich abgesprungen bevor ich es überhaupt erblickt hätte, also ließ ich mich unter einer Fichte nieder und hoffte, dass dieser Blickwinkel zum fotografieren taugte. Das morgendliche Vogelkonzert schwoll an, doch weit und breit war kein Rehwild zu sehen. Dank unserer Wildkamera wusste ich, dass hier jeden Tag Rehe entlang kamen, bevor sie in ihre Tageseinstände, einem Südhang mit herrlichen Dickungen, zurückzogen. Also harrte ich aus.
Es wurde immer heller und ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich am Waldrand eine Bewegung vernahm. Ein Schmalreh verhoffte kurz und sprang dann auf den Wildacker. Kurz darauf eine Ricke mit ihrem Bockkitz und ein weiteres weibliches Reh. Klick, klick, klick, ich drückte auf den Auslöser, was das Zeug hielt. Als ich an meinem Dreibeinstativ eines der Beine etwas nachstellen wollte, knackte es leise. Wie erstarrt saß ich da und alle Rehe äugten in meine Richtung. Jetzt nur nicht bewegen. Keinen Millimeter!
Puh … gerade noch mal gut gegangen. Endlich ästen sie weiter und suchten nach Maiskörnchen, welche noch zahlreich vorhanden waren.
Um 08:25 Uhr war dann der ganze Spuk vorbei und die Rehe zogen ein. Überglücklich und zufrieden rappelte ich mich vom Boden auf und packte zusammen. Langsam ging ich zurück zum Auto und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen.
Zuhause, nach dem Frühstück sicherte ich gleich meine Bilder und war noch glücklicher. Zwar war kein Bock dabei, wie ich mir erhofft hatte, doch einige Aufnahmen fand ich sehr gelungen. SB5_4075SB5_4134
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Motiviert durch die erfolgreiche Foto-Pirsch zog ich wenige Tage später erneut los. Dieses Mal pirschte ich mich an einem anderen Platz an und konnte zwar wieder keinen Bock, aber ein hübsches weibliches Reh beim morgendlichen Äsen fotografieren. Die letzten Meter kroch ich auf allen Vieren, Stativ und Kamera vor mir her schiebend näher. Der Wind stand gut, doch so ganz geräuschlos war ich anscheinend doch nicht, denn das Reh warf auf und sicherte die Umgebung. Wenige Klicks später sprang es dann mit einem zweiten Reh ab, welches anscheinend für mich unsichtbar am Rande des Wäldchens stand. Das goldene Licht der aufgegangenen Sonne gab eine zauberhafte Stimmung und ich war mehr als glücklich über die Bilder, die an diesem Morgen entstanden sind.
Laut Wetterbericht macht das Wetter in den nächsten Tagen wahrscheinlich nicht mit und das ist schade, aber der Frühling lässt sich nicht mehr aufhalten und ich freue mich riesig auf die wärmere Jahreszeit.

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Gestern habe ich den Dachsbau im Nachbarrevier kontrolliert, natürlich mit der Erlaubnis des Jägers, der ein Freund von uns ist. Ich darf dort eine Wildkamera anbringen, um den Tages- und Nachtrhythmus der Bewohner zu erfahren. Vor allem aber interessiert mich, ob hier Jungdachse geboren wurden. Mit etwas Glück kann ich sie beim Spielen und Toben vor dem Bau fotografieren, wenn sie im Alter von 10-12 Wochen den Bau verlassen, um die Gegend drum herum ein wenig zu erkunden. Das wäre mein sehnlichster fotografischer Wunsch für die kommende Saison. An dem Dachsbau in unserem eigenen Revier bringe ich auch in den nächsten Tagen eine Wildkamera an. Allerdings werde ich sie nicht täglich kontrollieren, um die Gegend nicht zu sehr zu beunruhigen. Dachse sehen zwar nicht besonders gut, dafür haben sie aber eine hervorragende Nase und durch die dicke Sohle an ihren Pranten spüren sie kleinste Erschütterungen. Zu viel Unruhe um den Bau herum lässt sie ihre Gewohnheiten ändern, oder sogar umziehen in einen Notbau, was ich natürlich unbedingt vermeiden will. Auf jede Fall habe ich ab Mai dann an zwei Plätzen die Möglichkeit in meiner Tarnkleidung anzusitzen und zu fotografieren.

Mai ist ja auch wieder der Beginn der Jagdsaison, Böcke und Schmalrehe dürfen wieder bejagt werden, aber Wild zu erlegen steht für mich nicht an 1. Stelle. Ein gelungenes Foto und  ein paar Stunden in unserer wundervollen Natur machen mich glücklich und mir wird bewusst, wie reich ich bin. Und ich meine das nicht im materiellen Sinne. Reich ist der, der sich an kleinen Dinge erfreuen kann.

„Wahrer Reichtum besteht nicht im Besitz, sondern im Genießen.“
(Ralph Waldo Emerson)

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